zusammen wachsen

Was braucht es, damit neu zugezogene Menschen möglichst rasch am gesellschaftlichen Leben teilhaben können? Damit sie sich hier bald wohl und zu Hause fühlen? Das wollten wir aus erster Hand erfahren. Wir haben dazu mit zwölf Menschen mit und ohne eigene Migrationsgeschichte über ihre persönlichen Erfahrungen gesprochen.

Video zusammen wachsen

Titelseite Broschüre zusammen wachsen

Eine Präsentation und Diskussion von Video und Broschüre kann bei FABIA als Weiterbildungsangebot oder Input gebucht werden.

Dieses Projekt wurde anlässlich des 60-jährigen Jubiläums von FABIA durchgeführt und wird durch eine Informationskampagne begleitet, mit dem Ziel eine breite Öffentlichkeit im Kanton Luzern zu erreichen, sie über FABIA zu informieren und aufzuzeigen, dass wir als Gesellschaft zusammen wachsen.

Die Broschüre kann kostenlos unter info@fabialuzern.ch bestellt werden oder hier heruntergeladen werden. Ausserdem können die einzelnen Porträts angeschaut und herungergeladen werden.

Gesamtbroschüre «zusammen wachsen» (pdf)

Arulmoli Uruthiran, Sri Lanka

Ich bin 37 Jahre alt, wohne in Luzern und bin im Jahr 1995 in die Schweiz gekommen. Geboren bin ich in Jaffna im Norden Sri Lankas. Im Bürgerkrieg sind mein Vater und mein Bruder gestorben. Deshalb sind wir geflüchtet. Durch den Bürgerkrieg ist einfach alles auseinandergegangen und ich bin sehr dankbar, dass ich hier in einem sicheren Land bin.

Ich und meine Schwester sind als Erste ganz alleine hergekommen, ohne meine Mutter. Mein Onkel war damals bereits in der Schweiz, er hat uns geholfen, hat einen Schlepper organisiert und so sind wir hierhergekommen. Wir sind direkt mit dem Flugzeug in Zürich-Flughafen gelandet. In der ersten Zeit hatte ich Heimweh und ich habe meine Mutter sehr stark vermisst und natürlich meinen Vater, doch ich habe mir gesagt: Ich muss jetzt mit der Situation so leben, es geht ohne Vater ... zum Porträt (pdf)

Carmela Riccio, Italien

Ich komme aus Italien und bin in Vallata in der Provinz Avellino geboren, in der Nähe von Neapel. Im Jahr 1969 bin ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern in die Schweiz gekommen, da war ich zehn Jahre alt. Mein Vater war damals schon seit zehn Jahren alleine in der Schweiz. Irgendwann hat meine Mutter zum Vater gesagt: «So, jetzt! Wir sind eine Familie und wir können nicht immer weit weg voneinander leben! Schau du mal und rede mit deinem Arbeitgeber, frag ihn, ob wir nicht in die Schweiz kommen können!» Kurz darauf hiess es zusammenpacken und gehen.

Das Erste, was mir hier aufgefallen ist: Es war alles grün in diesem Land draussen und es hat so viele Kühe hier. Es ist einfach ganz anders gewesen. Doch am Anfang hatte ich grosse Sehnsucht nach Italien und es hat lange gebraucht, bis ich mich ein bisschen daran gewöhnt habe ... zum Porträt (pdf)

Dieter Huez, Schweiz

Mein Name ist Dieter Huez. Ich wohne in Emmenbrücke, bin jetzt 62 und ich war sehr lange, von 1991 bis 2020, Reallehrer in Emmenbrücke, heute sagt man Sek-C-Lehrer, jetzt bin ich Hausmann. Am Anfang meiner Zeit als Lehrer waren in meinen Klassen etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler Schweizer, die andere Hälfte Kinder von Migranten. Der Anteil an ausländischen Kindern hat in den 30 Jahren, in denen ich unterrichtet habe, merklich zugenommen. Als Lehrer hat sich dadurch für mich nichts speziell geändert, weil ich immer konkret auf die Jugendlichen eingehen musste, egal woher sie kamen.

Ich habe mich immer bemüht, wenn ich gesehen habe, dass es zwischen Schülern schwierige Situationen gibt, die das Ethnische oder manchmal auch die Religion betreffen, das aufzugreifen. Ich habe die Schüler erzählen lassen, wie es bei ihnen zu Hause oder in ihrem Herkunftsland ist, und dann haben wir darüber gesprochen ... zum Porträt (pdf)

Elsa Ancona Leyva, Mexiko

Mein Name ist Elsa Rosalinda Ancona Leyva, ich wohne jetzt in Luzern, bin in Mexiko City geboren und bin 72 Jahre alt. Ich bin seit dem Jahr 2019 hier, vorher war ich nur ein paarmal zu Besuch in der Schweiz. Ich bin eine alleinstehende Frau und habe nur eine Tochter, die mit einem Schweizer verheiratet ist, und ein Enkelkind. Natürlich werde ich mit der Zeit älter und wir möchten die Zeit, die ich noch habe, hier in der Schweiz zusammen verbringen. Ich muss FABIA dafür danken, dass sie meine Tochter beraten haben, wie ich in die Schweiz kommen kann. Als junge Frau lebte ich zwölf Jahre in Deutschland und spreche deshalb bereits Deutsch.

Ich wollte zunächst nur ein paar Monate hierbleiben, weil ich in Mexiko noch meine Wohnung habe und ich diese verkaufen und ein paar weitere Dinge erledigen wollte. Doch meine Migration war sehr schnell ... zum Porträt (pdf)

Qamil Isufi, Kosovo

Ich bin Qamil Isufi, bin 63 Jahre alt und wohne in Emmen. Im Dezember 1981 bin ich zum ersten Mal in die Schweiz gekommen und seit 1984 habe ich einen festen Wohnsitz hier. Mein Herkunftsland ist Kosovo, ich bin dort geboren und aufgewachsen. Im März und April des Jahres 1981 waren Unruhen in Kosovo und es sind viele junge Menschen umgekommen.

Die Unruhen wurden vom Staat Jugoslawien sehr brutal unterdrückt, die ganze junge Generation wurde von den Schulen und Unis vertrieben. Danach gab es sehr viele Verhaftungen und Quälereien, die Verfolgungen dauerten jahrelang. Viele Freunde von mir sind damals verhaftet worden und ich musste einfach weggehen. Darum bin ich in die Schweiz gekommen. Meine Familie konnte damals nicht einreisen, sie hat keinen Reisepass erhalten, weil ich verfolgt wurde ... zum Porträt (pdf)

Regina Kreienbühl, Schweiz

Ich wohne in Rickenbach, das ist bei Beromünster in der Nähe, bin Schweizerin und ich arbeite als Pflegefachfrau bei Viva Luzern im Betagten zentrum Eichhof im Haus Rubin, das ist eine geschützte Demenzwohngruppe. Hier bin ich Team leiterin von einem Team von 14 Mitarbeitern, in dem zwölf verschiedene Nationen vertreten sind.

Der Begriff Migrantin oder Migrant hängt für mich zusammen mit etwas Neuem, auch mit sprachlichen Herausforderungen. Ich habe sehr viele positive Erfahrungen gemacht. In meinem Umfeld habe ich sehr viele Freunde und Verwandte, die Migrationserfahrung haben. Meine Schwägerin ist Ecuadorianerin, durch sie habe ich auch zu weiteren Migrantinnen und Migranten Kontakt. Und natürlich auf dem Wohnbereich: Ich weiss von fast allen Teammitgliedern, welches die Gründe für ihre Auswanderung waren ... zum Porträt (pdf)

Ali Idris*, Eritrea

Ich komme aus Eritrea, bin 32 Jahre alt und ich wohne im Kanton Luzern. Ich lebe seit Ende 2008 in der Schweiz und seit 2010 arbeite ich als Elektriker. Im Jahr 2013 habe ich meine dreijährige Lehre abgeschlossen und bin seither gelernter Montageelektriker. Wie ich in die Schweiz gekommen bin, das ist eine lange Story und ich bin fast … ja, schwierig zu vergessen! Aber zu dieser Frage kann ich nicht viel erzählen, es könnte für meine Familie in Eritrea gefährlich sein. Deswegen möchte ich, dass hier nicht mein richtiger Name steht.*

Was mir als Erstes in der Schweiz aufgefallen ist, war der Schnee, es war Winter, und wie einfach die Leute waren, mit denen ich zusammen war, sie haben gerne geholfen, und insgesamt die Freiheit ... zum Porträt (pdf)

Orlando Bär, Schweiz

Ich bin 31 Jahre alt, stamme aus Uri und wohne in Luzern. Ich bin Leiter der Geschäftsstelle des Vereins Swiss Central Basketball und Head Coach der ersten Mannschaft, welche in der obersten Liga spielt. Ich bin auch Nationaltrainer der U18-Mannschaft der Schweiz. Als Basketball-Coach habe ich viele Berührungspunkte mit dem Thema Integration, eigentlich jederzeit.

Es fängt an mit Spielerinnen und Spielern, die in die Halle kommen und teilnehmen möchten: Sprechen sie unsere Sprache, verstehen sie Hochdeutsch? Das ist noch das Einfachste. Schwieriger wird es mit der Administration, wir müssen jedes Mitglied in unserem Verein lizenzieren, und der letzte wichtige Punkt ist dann der intensive Familienkontakt, um der Familie aufzuzeigen, was das Kind hier im Verein macht ... zum Porträt (pdf)

Nicola Neider Ammann, Deutschland

Ich bin 59 Jahre alt und bin im August 1996 aus Berlin, meiner Heimatstadt, nach Luzern gekommen und lebe seitdem mit einer Unterbrechung von drei Jahren hier. Ich habe Theologie studiert und arbeite seit 2008 als Leiterin des Bereichs Migration und Integration der katholischen Kirche Stadt Luzern. Zuvor war ich Seelsorgerin in der Pfarrei Sankt Karl, auch einem sehr international geprägten Quartier.

Ich bin wegen der Liebe in die Schweiz gekommen. Mein Mann und ich haben uns in Berlin kennengelernt und nach einer Zeit der Fernbeziehung haben wir gemerkt, wir wollen unseren Lebensweg gemeinsam gehen. Als Theologin ist es für mich nicht so schwierig gewesen, in der Schweiz eine Arbeitsstelle zu finden. Das war lange vor der Personenfreizügigkeit. Damals galt die Theologie als Mangelberuf ... zum Porträt (pdf)

Ronak Abdulrahim, Syrien

Ich bin seit Januar 2015 in der Schweiz. Ich komme aus Rojava, im Nordosten Syriens, bin Kurdin und wohne mit meinen Zwillingen in Luzern. Das Leben war ganz schwierig im Krieg und jetzt ist es noch schlimmer wegen ISIS. Mein Mann ist damals im Krieg gestorben und ich musste mit meinen damals 13-jährigen Zwillingen flüchten. Ich versuche mich nicht an den Moment zu erinnern, in dem ich entschieden habe, mein Land zu verlassen, aber der Moment kommt immer wieder auf in meiner Erinnerung, als Flashback.

Meine ersten Kontaktpersonen hier waren meine Brüder und Verwandten. Ich habe viele Verwandte im Kanton Luzern und meine beiden Brüder wohnen in Zürich. So war ich vom ersten Moment an von meiner Familie unterstützt. Und auch von meinen Eltern, die in Schweden sind, aber mich sofort besucht haben in der Schweiz ... zum Porträt (pdf)

Samuel Bissig-Scheiber und Fabian Silveira Quintas, Schweiz und Spanien

Auf dem Firmengelände der Schindler Aufzüge AG in Ebikon, einer Gemeinde der Agglomeration Luzern, konnten wir mit Samuel Bissig-Scheiber und Fabian Silveira Quintas ein letztes Interview zum Thema Migration im Zusammenhang mit Arbeit durchführen. Nach dem Porträt von Regina Kreienbühl aus der Pflege steht hier mit der Schindler Aufzüge AG ein grosses Unternehmen aus der technischen Branche und aus dem Baugewerbe im Fokus. Dieses letzte Porträt wird im Dialog mit den zwei Personen wiedergegeben ... zum Interview (pdf)